Kapitel 33

Suche nach Sommer, einer Luftpumpe und nach mir. Meine Stimmung so, wie das Wetter: wechselhaft.

erstes Mal unterwegs ohne Ski
Ich bin Carolin und du liest ein Kapitel von a whisper in the cosmos, dem Ort für kleine Geschichten und Erlebnisse aus meinem Leben.

Hei ✨

Schön dich hier zu treffen. Das Schreiben des vorangegangenen Kapitels war echt eine Therapiestunde für mich. Keine Ahnung, wie es für dich war es zu lesen 😅. Meine Gefühlslage ist zurzeit eine Achterbahnfahrt. Unterschwellig bin ich nach wie vor unsicher und weiß nicht so recht wohin, aber darüber passiert auch ganz viel Schönes, und das gibt es deshalb direkt hinterher.
Willkommen bei Kapitel 33.


Alles ist grün. Die Schattierungen reichen von dunklem Olive über sattes Grün zu leuchtendem Gelbgrün. Der Fluß ergänzt die Palette durch seine täglich andere blaugrüne Färbung. Das ganz frische Hellgrün des Frühlings ist in die bunte Blütenpracht des frühen Sommers übergegangen. Mein Garten ist wild und bunt in Weiß, Lavendelblau, Violett und Löwenzahngelb 💚.
Vor zwei Wochen habe ich einen Haufen alter Schieferplatten gekauft, die mal als Dachziegel genutzt wurden. Jetzt warten sie neben der Garage darauf, dass ich mit ihnen den kleinen Pfad zur Haustür verziere. Rechts und links des Pfades schauen bereits kleine Stauden aus der Erde, und ich warte darauf, dass sie wachsen und dem kleinen Pfad ein bisschen Magie verleihen.
Am Hang sonnt sich eine neue Rhabarberpflanze, und meine Fensterbank im Büro steht voll mit Setzlingen, die meine Behandlung bisher überlebt haben: Es wachsen hier kleine Tomaten, Ringelblumen, Pfefferminze, Lavendel und Erdbeeren. Im Hochbeet kämpfen sich kleine Zucchinisetzlinge empor. Dabei weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob es Zucchinis oder Gurken sind, denn beim Einpflanzen sind die mir vielleicht durcheinander gekommen, und ich habe vier der sechs Setzlinge dadurch zerstört, dass sie mir ins Beet gefallen und die kleinen Stängel gebrochen sind. Ich lasse mich wohl einfach überraschen 😄.

Das Wetter hier ist so chaotisch wie die Gefühle in mir. Es ist Sonne angesagt, dann regnet es den Tag durch. Aus Regentagen werden plötzlich Sommertage. Der Wind dreht so schnell, dass ich in beide Richtungen gegen ihn fahren muss. Erst war es so trocken, dass man beinahe über das Flussbett auf die andere Seite gehen konnte, und jetzt hat es die letzten Tage so viel geregnet, dass der Fluss an einzelnen Stellen übers Ufer getreten ist. Für die Unterführung auf dem Weg zur Arbeit brauche ich fast ein Kanu.

Während Susu (mein kleines Auto) seit April mit Sommerreifen herumfährt, habe ich am Fahrrad immer noch das Piggdekk drauf. Ich möchte allerdings betonen, dass die nach zwei kompletten Wintern so abgenutzt sind, dass sie quasi nicht mehr existieren. Außerdem habe ich das Fahrrad bisher nur an Regentagen genutzt und bin sonst immer mit den Inline-Skates zur Arbeit gefahren. Mittlerweile brauche ich auch für den Rückweg nach einer Spätschicht um elf Uhr abends keine Lampe mehr. Die Sonne geht um 23:00 Uhr erst unter und bereits um 03:40 Uhr wieder auf 🌞.

Seit drei Tagen bin ich etwas besser drauf. Aber so ist es die ganze Zeit. Ich fühle mich besser, und dann bricht wieder das Chaos aus – in meiner Wohnung und in meinem Kopf. Diesmal scheint es etwas nachhaltiger, weil ich ein paar Sachen erledigt habe, die ich viel zu lange hinausgezögert hatte.

Meine kleine Instagram-Seite wächst, und ich liebe es, mir neue Designs auszudenken und zu zeichnen. Und jedes ‚gefällt mir‘ ist ein Push, dass es vielleicht noch andere da draußen gibt, die meine Sachen mögen. Vor allem erfüllt sie aber bereits ein Ziel, nämlich dass ich wieder viel kreativer bin, und das hat mir sehr gefehlt.

Wochenendtrip mit dem Van
die kleinen Setzlinge vor ein paar Wochen

Mutter weiß mehr 🦎


Mama kennt mich viel zu gut. »Hab ich mir schon fast gedacht«, sagt sie, als ich ihr erzähle, was los ist. Sie wusste es schon. Sie weiß sowas immer. Ein Grund, warum ich mich immer zum Putzen auf der Arbeit melde, ist, dass ich dann mit ihr telefonieren kann. »Ist die Luft gerade ein bisschen raus?«, fragt sie, und in mir verändert sich was. Denn die Worte treffen auf etwas, das ich für mich bisher viel negativer benannt hatte. Trotzdem passt es, dass »die Luft raus ist«. Und mit der Formulierung fühle ich mich direkt sicherer, denn anders als mein negativer Selbsttalk der letzten Wochen klingt das nach etwas, was man reparieren kann. Nach etwas, was sich rückgängig machen lässt – wie ein Ball, der durch zu viel Benutzen einfach etwas Spannung verloren hat. Und der Vergleich ist viel optimistischer als die Schwärze in dem tiefen Loch, was sonst meiner Beschreibung entspricht. Nicht, dass das nicht auch exakt beschreibt, wie es sich anfühlt, aber wie man Dinge benennt kann einen großen Einfluß darauf haben, was es mit einem macht. Ich fühle mich lieber als greifbarer platter Reifen, anstatt ungreifbar klein und im Dunkeln. Lieber nehme ich etwas, von dem ich weiß, dass man es reparieren kann, als etwas Abstraktes, was einem von Tag zu Tag die Hoffnung entzieht. Jetzt holpere ich also durch die Gegend, auf der Suche nach einer Luftpumpe und einem Flicken-Set. Fühlt sich auch nicht gut an, aber ein bisschen leichter. Danke Mama ❤️


Soundecho

Ich hab was Schönes mit bisschen Sehnsucht, bisschen Sommer und bisschen Heimat:


Level Up ⬆️

Schach ♟️

Skill Level ziemlich niedrig, und erst einmal gegen den Schachcomputer gewonnen, aber es macht Spaß. 

Microcamper 🚗

Einfache Plattform gebaut und jetzt kann ich mich in meinen Suzuki Ignis reinfalten. Diagonal passt es 😆

17. Mai 🇳🇴

Letztes Jahr musste ich arbeiten, dieses Jahr gings zum Spektakel des Nationalfeiertags nach Lillehammer.


Bis zum nächsten Mal ✨