Kapitel 32

Gedankenkreise, auf der Suche und ganz viel Vermissen. Die letzten Monate waren schwierig und ich: am Struggeln.

Sonnenaufgang am Flughafen in Oslo
Ich bin Carolin und du liest ein Kapitel von a whisper in the cosmos, dem Ort für kleine Geschichten und Erlebnisse aus meinem Leben.

Hei ✨

Schön dich hier zu treffen. Irgendwie bekomme ich gerade keinen richtigen Griff an mein Leben. Sei es bei der Jobsuche, in meinem Haushalt oder bei Dingen wie diesem Blog. Seit Jahresbeginn habe ich mich mehr und mehr verunsichern lassen davon, dass immer noch alles gleich ist. Ich setze mich selber so unter Druck, dass ich am Ende mehr gelähmt davon bin als aktiv zu werden.
Die letzten Monate waren die schwierigsten hier, seitdem ich hergezogen bin, obwohl ich auch ganz viel Schönes erleben durfte. Mehr davon liest du hier.

Willkommen bei Kapitel 32.

Psst: Kapitel 33 kommt direkt hinterher 🤍


Zum ersten Mal seit sehr, sehr langer Zeit bin ich mir nicht mehr so sicher, wie das alles ausgehen soll. Ich habe das Gefühl, nur herumzutreiben. Aber gehen wir mal an den Anfang des Jahres zurück…

Wenn du mich gefragt hättest, wie ich mir 2026 so vorstelle, dann hätte ich geantwortet, dass ich mich mehr in meiner Stadt einbringen möchte, mehr Leute finden und eine Community aufbauen möchte und dass ich mich darum kümmern werde, Arbeit zu finden, die in meinem Interessensbereich liegt. Ich war so voller Energie und Optimismus, dass ich es kaum erwarten konnte zu starten. Doch irgendwas ist dann in mir passiert, dass ich jetzt gerade – es ist Anfang Juni – noch kein einziges Stück weiter bin und das Gefühl habe, nur Wände um mich herum zu haben.

Dabei habe ich gar nicht nur herumgesessen: Im März habe ich eine dreitägige Ausbildung zum Tourenguide abgeschlossen und das hat so viel Spaß gemacht. Meine Krise begann bereits im Januar und ich wollte unbedingt mehr draußen sein und war soo froh, als ich durch Zufall auf diesen Kurs gestoßen bin. Wir waren eine Gruppe von fünfzehn Menschen, drei Tage in den Bergen in einer Hütte, um uns herum nur Schnee und der Raum gefüllt mit Lachen, munterem Beisammensein, Geschichten und neuem Input.
Dann war ich eine Woche mit meiner Familie in Dänemark, habe zum ersten Mal etwas auf einem Designmarkt verkauft, war mit meinem Freund ein Wochenende in Trondheim und war letzten Monat auf der Hochzeit meiner besten Freundin aus Kindergartentagen. Meine Bildergallerie ist also gut gefüllt und trotzdem hat sich in mir so ein Gefühl festgesetzt.

Jede Abreise von hier hat mich mehr und mehr gekriegt, obwohl es mir hier nicht gut ging und ich mich ziemlich verloren gefühlt habe. Aber ein paar Tage Abstand waren zwar gut, holten mich aber auch komplett aus meiner Welt hier raus und katapultierten mich zurück in mein Leben, das ich hatte, bevor ich nach Norwegen gezogen bin. Damit war der Fall, zurückzukommen und zu spüren, wie ich gar nichts von dem hier habe, jedes Mal tiefer. Und jedes Mal brauchte es nur einen Tag, bis das warme Gefühl, das ich unterwegs hatte, verflogen war und dann fühlte ich mich wieder so ohne Antrieb oder vielleicht war auch die Hoffnung ein bisschen verschwunden, dass das alles schon in Ordnung kommt.

Die Wahrheit ist, dass ich gerade am kämpfen bin, den Job an der Tankstelle nicht zu hassen – denn das wäre wirklich unfair (ich mache ihn immer noch gerne, aber er hat halt gar nichts mit dem zu tun, was ich eigentlich machen möchte) –, und mit jedem Monat, der vergeht, ohne dass alternative Jobangebote auftauchen oder zwar welche auftauchen, man von denen aber nie etwas zurück hört, bröckelt mein Selbstvertrauen mehr und mehr. Ich habe Angst, dass ich ohne nennenswerte Arbeitserfahrung immer weniger Chancen habe, vor allem wenn der Abstand zu meinem Uni-Abschluss immer größer wird.

Und dann blockiere ich mich noch selber, denn ich habe noch ein oder zwei Optionen, wo ich anfragen kann. Und das habe ich seit Januar vor. Doch ich habe es bisher einfach noch nicht gemacht. Ich vermeide es und ich weiß warum: Mein Deal mit mir ist, dass ich bis Ende des Jahres etwas anderes gefunden haben muss, ansonsten muss ich schauen, ob ich nicht doch nochmal woanders hinziehe. Das habe ich natürlich nur gemacht, weil ich a) dachte, ein Jahr sei lang genug, damit ich was finde und b) ich mich motivieren wollte, in die Gänge zu kommen. Und ich glaube, ich vermeide es, meine beiden letzten Eisen ins Feuer zu werfen, weil – wenn das auch nichts wird – dann habe ich gar nichts mehr und das macht mir am meisten Angst.

Also war mein Jahr bisher geprägt durch Frust, Vermissen und Verloren fühlen. Es sind viele Tränen geflossen und ich hab mich sehr verkrochen. Auf meinem Schreibtisch liegen noch mindestens vier Briefe, die auf eine Antwort warten. Ich habe fast gar nichts von meinen Freunden mitbekommen oder Tage für eine Nachricht gebraucht.
Ich bin tief in Gedankenkreisen. Manchmal überlege ich sogar, ob es richtig war, hierher zu ziehen. Ob ich nicht doch glücklicher werden könnte bei meiner Familie. In den letzten zwei Jahren ist genug passiert, dass ich weiß, wie groß sich die Distanz anfühlen kann, wenn man nicht mal eben helfen kann, vor Ort sein kann. Bisher glaube ich allerdings noch, dass ich dann was anderes vermissen würde – das, was mich erdet, was mich verbunden fühlen lässt hier mit dem Ort, oder? Denn ehrlich gesagt, hab ich eigentlich keine sichere Antwort darauf.

Was mich hier hält? Nach wie vor der Teil meines Herzens, der morgens beim Aus-dem-Fenster-Schauen so viel Angekommensein spürt, der immer noch erstaunt ist von der Natur hier. Mein Dickkopf, der vor allem keinen Schritt rückwärts machen will oder irgendwas, was sich nach Aufgeben anfühlen könnte. Und alle Menschen hier, die mich an diesem Ort erst richtig zuhause fühlen lassen, so vereinzelt und unterschiedlich sie auch sein mögen. Das kleine Mädchen, das bei jedem zu Ende gehenden Norwegen-Urlaub mit Tränen in den Augen am Bug der Fähre stand und bereits da wusste, dass sie irgendwie ihr Zuhause gefunden hatte.
Und die junge Frau, die jetzt gerade weinend diese Worte schreibt, weil sie fühlt, wie wahr sie sind – genauso wahr, wie dass sie vermisst, zu wissen, wer sie ist, oder einfach auch nur sehr, sehr doll ihre Familie vermisst.

Aber ich bin noch nicht fertig hier, denn auch wenn ich gerade ganz, ganz viel vermisse, so liebe ich dieses Haus, diesen Platz und diese Stadt wirklich aus tiefstem Herzen. Also versuche ich, meine Gedankenkreise zu unterbrechen und weiter mutig zu sein, weiter daran zu glauben, dass ich das hier schon hinbekomme.

mein erster Designmarkt im März in Trondheim
das erste Mal die Handschuhe aus

Sonnenstrahlen & Wachstum 🌞

Teil I:

Sonnenlicht
all das Chaos in mir drin
und hier draußen fängt sich Licht
in zartgrünen Knospen
Blätterzipfeln und Blüten in Gelb 
Gespräche im Wind
doch mein Ohr hört nach innen
Bin aus dem Takt 
vermisse mich
vermisse sorglos
gesuchter Optimist

Teil II:

Die erste Sonne im Haus
Das erste Fahrrad fahren ohne Handschuhe
Die erste Runde auf Skates
Das erste Mittagessen auf der Terasse
Der erste Abend ohne Kaminfeuer
Der erste Tag ohne Jacke
Das erste Sonnencreme Gesicht
Die ersten Knospen
Die ersten Blüten
Die erste Tour mit dem Van
Das erste Mal mit Sommerreifen

Alles nicht neu
aber von allem wieder das Erste
Winter legt den Stift nieder
und Frühling übernimmt
Die Dunkelheit verschwindet
wenn Sonne wieder singt.


Soundecho

Den Song beim Autofahren das erste Mal gehört und direkt in den Refrain verliebt.


Level Up ⬆️

Sommerreifen 🔧

Das erste Mal Autoreifen selber gewechselt. Bisher ist noch keiner abgefallen 😉.

Tourenguide 🧭

Erste Stufe zum Tourenguide abgeschlossen. Jetzt muss ich Erfahrung sammeln.

Setzlinge 🌱

Mein Schreibtisch steht voller Grün. Bald wird rausgepflanzt.


Bis zum nächsten Mal ✨