Kapitel 30

Langsame Reise, Raclette und Weihnachten. Bevor es ins nächste Jahr geht, gibt es hier noch einmal einen rückblickenden Whisper und ich sage: Tschüss 2025.

Einladung zur Rutschpartie
Ich bin Carolin und du liest ein Kapitel von a whisper in the cosmos, dem Ort für kleine Geschichten und Erlebnisse aus meinem Leben.

Hei ✨

Schön dich hier zu treffen. Ein rundes Kapitel zum Jahresabschluss, das mag ich. Dieses liegt schon viel zu lange halbfertig in meinen Dateien. Da der Januar aber so dunkel ist, kannst du dich jetzt zurücklehnen und nochmal in die beleuchtete und gemütliche Dezemberzeit eintauchen...
Ich melde mich aus der Bahn, wie so oft, kann ich hier gut schreiben. Ich bin vor knapp 24 Stunden in den Zug in Otta eingestiegen und habe eine entspannte Nacht im Schlafwagon hinter mir. Diesmal keine unbequeme Busfahrt, so wie letztes Jahr. Anfang Dezember hat ein Konzert die Weihnachtsstimmung eingeleitet. Die ist dann in den letzten Tagen vor Abfahrt wieder in den Keller gegangen, weil ich dermaßen im Geschenke-Bastel-Stress war. Also nicht, dass ich jemals bisher pünktlich alles fertig hatte, aber ich musste meine Abfahrt nochmal um einen halben Tab nach hinten verschieben, und selbst damit war es knapp. Jetzt bin ich entspannt, und in wenigen Stunden am Ziel. Mehr aus meiner Weihnachtszeit liest du hier.
Willkommen bei Kapitel 30.


Vor einigen Wochen schon hatte mich eine Freundin dazu überredet, Tickets für ein Weihnachtskonzert zu kaufen, welches auf einem alten Hof stattfinden sollte. Anfang Dezember war es dann soweit und die Piggdekks an meinem Auto waren dankenswert, um die schneeverschneiten Straßen hoch zu dem Hof zu kommen. Der Weg zur Scheune wurde von Kerzen und Lagerfeuer beleuchtet. Schick gemacht hatten meine Sohlen so gar keinen Halt und ich musste schnell die kleinen Spikes drüberziehen und mich zusätzlich am Arm von meinem Freund festhalten 😅. Das Konzert war toll. Mit Chor und Gesang und ganz vielen norwegischen Weihnachtsliedern. Das erste hatte es mir direkt angetan und ich hatte Tränen in den Augen (die kamen noch ein paar Mal). Lachen muss ich jetzt immer beim Lied »O Helga Natt«, was heilige Nacht bedeutet, mein Freund mich aber nachher fragte, wer denn diese Helga eigentlich sei. Jetzt kann ich es auch nicht mehr normal hören 😂.

Vielleicht sollte ich eine neue Kategorie öffnen mit Geschichten aus der Tankstelle, denn ich hab was Neues und das reiht sich auf jeden Fall in den Top 3 ein (dass es wieder ein deutscher Touri war, versteht sich von selbst). Aber begeben wir uns mal zu meinem Arbeitstag…
Ich stand an der Kasse, als ein Kunde auf mich zukam. Er blickte sich erst suchend um, bevor er mich auf Englisch ansprach und dabei wild mit den Händen gestikulierte. Es entspann sich ein Gespräch, das in etwa so ablief:
»Do you have water?«
»Yes. What do you want to fill?«
»I need water for the tank.«
»Oh, so you want to fill your car?«
»Yes, I want to fill my – na, für das, wie heißt das denn – to fill my bobbycar.«

Ich etwas perplex und nicht sicher, ob ich das Wort richtig verstanden habe: »Ok, so you have a caravan?«
»Yes. I need to fill the tank of my bobbycar.«

Da war es nochmal. Diesmal keine Zweifel. Er hat in all der Aufregung Bobbycar gesagt. Ich es noch das Gespräch zu Ende zu bringen: »We have water outside, it’s on the other side of the building. My colleague can help you.«, bevor sich ein breites Grinsen auf mein Gesicht schiebt und ich mir vorstelle, wie er jetzt mit seinem Bobbycar zum Wasser fährt. Vermutlich eine aus Nervosität geborene Kreation aus dem norwegischen Wort für Wohnmobil »Bobil« und dem Englischen »caravan«. Bin ich gemein, weil ich im Englischen geblieben bin? Vielleicht, aber ich war auch zu perplex, um etwas anderes zu sagen, denn während des Gesprächs hallte das Wort Bobbycar in meinem Kopf und wurde immer lauter, da war es schwer, sich zu konzentrieren 🚗.

In dieser Woche hatte ich dann das erste Mal richtig, richtig Glatteis auf dem Heimweg. Morgens ging es noch, aber es hatte geregnet wie sonst was und dann gab es gratis Eisbahnen in der ganzen Stadt. Da war auch mit Piggdekk nicht mehr viel zu machen. Ich musste mehrmals absteigen und das Rad schieben, weil es so spiegelglatt war. Hab es aber zum Glück heile nach Hause geschafft.

Nach missglücktem Backversuch letztes Jahr (ich hatte falsches Marzipan gekauft) wurde diesmal Marzipan aus Deutschland importiert und wir haben gleich zwei Christstollen gebacken, von denen ich dann immer wieder Kostproben an Freunde verteilt habe.

Ich glaube, ich bin jetzt dörfliche Influencerin 👑. Beim Small Talk über Weihnachtstraditionen und insbesondere das Essen treffe ich hier immer auf verständnislose Blicke, wenn ich erzähle, dass es Raclette gibt. Unfassbar, dass das fast niemand kennt. Also habe ich den Tab mit der Suche »Raclette« und einem passenden Bild immer offen. Als ich mit ein paar Kolleginnen eine kleine Weihnachtsfeier hatte, gab es deshalb auch Raclette. Es lief dann etwas anders, als ich geplant hatte. Ich hatte extra viel Verschiedenes eingekauft und vor lauter Vorbereitungen nur ein bisschen gefrühstückt. Als dann alle da waren und es losging, erfuhr ich dann, dass die meisten entweder keinen Hunger bzw. schon gegessen hatten. Sie probierten jede nur ein bis zwei Pfännchen und ich war ein bisschen enttäuscht, dass ich die Magie des Raclette nicht weitergeben konnte :). Durfte dann die restliche Woche kreativ werden mit den ganzen Resten. Als ich dann zwei Wochen später wieder auf der Arbeit war, kam eine Kollegin aufgeregt zu mir und meinte, ich soll raten, was sie gekauft hätte. Sie hat sich tatsächlich ein Raclettegerät gekauft. Da hat das Probierpfännchen anscheinend doch seine Magie gewirkt 😉.


1. Klasse (quasi) & Wake up Calls 🚋


Die Landesgrenze zu Schweden habe ich vor einer Stunde passiert. Jetzt sitze ich in Göteborg im Bahnhof, irgendwo in einer Ecke, trinke meine letzten Schlucke Tee und warte auf den Nachtzug. Der steht schon seit einer Weile am Gleis, aber bisher sind die Türen verschlossen und ich sehe es nicht ein, mich mit den anderen direkt davor in die Kälte zu stellen. Bis zur Abfahrt sind es noch knapp vierzig Minuten. Über mir schwebt der Weihnachtsmann in einem großen Heißluftballon der Decke entgegen, während seine bärigen Gehilfen an Seilen die Geschenke ablassen. Alles wird beleuchtet von vielen kleinen Lichterketten. Ich bin unterwegs nach Deutschland. Gestern hatte ich meinen letzten Arbeitstag und seit heute Mittag fahre ich Weihnachten entgegen.

Die Bahnhofshalle in Göteborg

Zehn Minuten vor Abfahrt mache ich mich dann auch mal zum Gleis und gehe den Zug entlang, auf der Suche nach Wagon Nummer 26. Dabei gehe ich vorbei an all denen, die vor den Abteilen mit den Sitzplätzen warten und bin gar nicht so traurig, dass diese Kategorie bereits ausgebucht war, als ich vorgestern gebucht habe 🙈. Letztes Jahr hatte ich so einen Sitzplatz und hab mich am Ende auf den Boden gelegt, weil keine andere Position mehr ging. Da wurde ich dann ja auch von den Polizisten geweckt, die an der Landesgrenze eine Passkontrolle machten. Beim letzten Mal Nachtzug im Herbst hatte ich dann schon einen Schlafplatz in einer Kabine mit sechs Betten, aber die waren diesmal auch schon alle weg…
Mein Interrail Ticket habe ich bereits im Sommer gekauft und damit zahlt man im Nachtzug nur einen Bruchteil der eigentlichen Kosten. Außerdem hatten sie mich bei den Worten »Frühstück inklusive«. Also stiefel ich vorbei an neunzig Prozent der wartenden Menschen (fühlt sich ein bisschen edel an) und steige, als sich die Türen öffnen, fast ganz alleine in den Wagen Nummer 26 ein. Schnell stelle ich fest, dass ich meine Kabine, es wäre eine Doppelkabine gewesen, mit niemandem teilen muss und fühle mich noch ein bisschen edler. Ich will schon das Weihnachtsoutfit rausholen und mich mit nem Drink in den Speisewagen setzen, aber den gibt es dann doch nicht. Schnell komme ich ins Gespräch mit meiner Kabinennachbarin, einer 70-jährigen Frau, die ihre Tochter in Schweden besucht hat. Sie hat kurz Sorge, dass sie das Hochbett erklimmen muss, der Zugbegleiter, der die Tickets kontrolliert, kann ihr aber im Handumdrehen das untere Bett ausklappen. In meiner Kabine braucht er das nicht zu machen, denn ich schlafe natürlich oben. Wir erkunden noch zusammen, wo denn die Toiletten sind und wo man sich das Frühstück abholen muss und dann sagen wir Gute Nacht. Während wir beständig Richtung Süden ruckeln, dämmere ich weg.

Morgens, kurz vor Hamburg, ertönt dann die Stimme der Zugbegleiterin aus den Lautsprechern, die erst auf Deutsch, dann auf Englisch den Zug aufweckt. Für die englische Übersetzung ist es dann wohl auch für sie noch etwas zu früh, denn nach »This is your wake up call« fällt ihr nicht mehr ganz ein, was sie denn im Deutschen zuvor gesagt hatte und sie endet ihren Satz mit »if you want you can wake up now«, was bei mir zu großer Erheiterung führt. Mein Frühstück, in Form einer kleinen gefüllten Pappkiste, erhalte ich dann von eben jener Zugbegleiterin und erfahre dabei, dass nur vier Personen in dem Wagen geschlafen haben. Mit Frühstück und Tee verkrümel ich mich dann zurück in meine Kabine und genieße den Morgen. Habe richtig gut geschlafen und bin gar nicht, wie beim letzten Mal, immer aufgeschreckt, weil ich dachte, ich fall gleich aus dem Bett, wenn der Zug gebremst hat.

Von Hamburg aus ist es dann nur noch einmal Umsteigen und knapp sechs Stunden später holen mich Mama und Papa am Bahnhof ab.

Nochmal Beine vertreten auf der Oper in Oslo

Soundecho

Der Song ist zufällig aufgetaucht in meiner Musik, aber schon mehrfach gehört. Kein Weihnachtslied 😄


Level Up ⬆️

Härteprobe 🧊

Sternchen, dass ich mich bei dem Glatteis nicht hingelegt habe.


Bis zum nächsten Mal ✨