Kapitel 21
Verträge kündigen, neue abschließen, dazwischen Skitour im Fjell und mehr Papierkram. Wirklich nötig hier: Frühjahrsputz.

Hei ✨
Schön dich hier zu treffen. Jetzt habe ich zwar genug Sachen gesammelt für das Kapitel, aber hab mir das nicht so gut auf die zwei Wochen aufgeteilt, sodass ich jetzt schon wieder ziemlich knapp dran bin. Das muss ich wohl noch besser strukturieren 😅. Der Schnee ist fort, auf dem Weg zur Arbeit oder Schule begegnen mir jetzt sogar andere Fahrräder, und ich habe angefangen, meinen ganzen Papierkram aufzuarbeiten (sehr zu Lasten des Ordnungslevels meines Häuschens, ähem). Außerdem höre ich morgens das Schnattern der Schwäne auf dem Fluss, die nun wieder vergnügt hin und her schwimmen können, und meine Netzhäute gewöhnen sich langsam daran, mehr Erdtöne zu sehen mit Fleckchen von Grün 💚. Vor ein paar Tagen war dann auch noch der vårjevndøgn, also wo Tag und Nacht ungefähr gleich lang sind. Ab jetzt werden die Tage länger, juchu.
Willkommen bei Kapitel 21.
Der Schnee schmilzt dahin und selbst die hartnäckigsten Eisflächen, aka die vor meiner Haustür, mit der ich absolut angstfrei vor einem Einbruch sein konnte (nicht, dass ich das hier befürchte, aber sie hat mich im Winter mehrmals fast das Leben gekostet), verflüssigen sich 🧊. Ist ja klar, dass anderswo Eis her muss: Nämlich in den Geschäften. Unsere Softeismaschine läuft seit zwei Wochen, was auch sonst im März?? Meine Softeis-Zapfversuche sehen immer noch etwas kläglich aus, aber es steckt Liebe drin 🤣. Dafür strahlen die hohen Gipfel ringsum tapfer schneebedeckt dem klar blauen Himmel entgegen, denn die Nächte sind nach wie vor frostig. Manch eine Sonnenbrille ging über die Theke, tja, diese Helligkeit ist halt ungewohnt. Das gute Wetter konnte ich auch gleich nochmal für eine Skitour im Rondane nutzen ☀️.
Kurioses der Woche, das zeigt, wie sehr Dorf es hier ist: Morgens auf dem Weg zu meinem Norwegisch-Kurs wurde ich wie üblich von mehreren Schülern auf Quads überholt (den Standard kannte ich schon), konnte dann aber auch beobachten, wie ein Schüler seinen Trecker vor der Schule parkte (ich sag ja, mehr Dorf geht nicht).
Ebenfalls seit zwei Wochen habe ich einen neuen Mitbewohner: Mein Fahrrad. Ich hab es reingeholt, weil es Probleme mit der Schaltung gemacht hat, außerdem muss das Piggdekk ab, weil kein Schnee mehr liegt. Seit jenem Tag steht es mitten im Flur und sagen wir mal so, ich habe meinen Alltag perfekt drumherum angepasst, ohne es auch nur angerührt zu haben. Ist wohl eine Aufgabe für die nächsten zwei Wochen…
Bereit (bald) 🌱
Mit jedem Zentimeter mehr, den der Schnee in sich zusammenfällt, wächst meine Sehnsucht nach mehr. Mehr erleben, mehr raus, mehr die Gegend erkunden, mehr im Haus einrichten und renovieren, einfach mehr machen. Weiter zu kommen als nur bis zum Dorf. Ich glaube, mein Van hatte lange genug Winterpause. Gleichzeitig ist aber auch viel Papierkram liegen geblieben. Also nutze ich diese aufkeimende Energie, setze mich hin, schreibe eine lange Liste für die Woche und gebe mein Bestes, dass sie am Sonntag nicht mehr so lang ist. Darunter leidet die Ordnung hier, aber die kann ich nach dieser Woche wieder herstellen.
Mit der dunklen Jahreszeit, so wird der Name ja meistens nur geflüstert, hatte ich kein Problem. Alles war sowieso langsam und ich hab mich mühelos in das Tempo eingefügt. Aber jetzt kann es mir gerade nicht schnell genug gehen, aber es ist etwas zu früh für Vantrips. Nachts geht es schließlich immer noch unter Null. Ich fühle mich gefangen in diesem Flur zwischen Winter und Frühling, zwischen Ankommen und neuen Plänen, zwischen Zwischenstopps und Träumen und muss mich daran erinnern, dass ich so gerade einmal sechs Monate hier bin. Ein halbes Jahr erst und dafür ist das wohl schon alles ganz gut so. Und um die Sehnsucht zu bekämpfen kann ich planen, andere Dinge erledigen und die Vorfreude wachsen lassen. Ich fahre weiter mit dem Fahrrad ins Dorf und halte meinen Bewegungshorizont klein, abwartend. Damit ich bereit bin, wenn es losgehen kann, wenn ich alles geregelt habe.
Bis dahin erinnere ich mich an den älteren Mann in der Bibliothek, der, während ich dort Mittagspause an einem Tisch machte, mit einem Buch im Schoß auf einem kleinen Sofa saß, den Spazierstock daneben angelehnt, und wie er so dasaß, immer wieder wegnickte, das Kinn auf die Brust fiel, wach wurde, eine Seite weiterblätterte, um kurz darauf wieder wegzudösen.
Noch heißt es warten. Die Natur erwacht gerade erst und die Geschwindigkeit nimmt zu. Ich werde bereit sein 💛
Soundecho
Die kleine Erinnerung, dass alles seine Zeit braucht. Hauptsache, man ist in Bewegung.
Level Up ⬆️
Nordlicht App 💚
Nachdem ich zum wiederholten Male das Himmelsspektakel verpasst hatte, habe ich nun auch mal eine Warn-App installiert. Besser spät als nie, und prompt gab es gaaanz bisschen grün am Himmel.
Strom 🔌
Hab dann auch mal ein Stromabo abgeschlossen, nachdem ich von meinem Vermieter daran erinnert wurde, dass das noch fehle und ich vermutlich viel mehr als nötig zahle. Er hatte Recht und ich habe was gelernt.
Musik 🎶
Nachdem ich genug davon hatte, dass auf der Arbeit seit drei Monaten die gleichen fünf Lieder in Dauerschleife im Radio laufen, habe ich gestern mein Handy gekoppelt. Das andere hatte mich so langsam richtig aggressiv gemacht 😉.
Bis zum nächsten Mal ✨